Fluch und Segen von Abkürzungen



„Zeit ist Geld“, sagen der Volksmund und viele Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Trotz meinem Bedürfnis mich korrekt, freundlich und verständlich auszudrücken, will ich schnell fertig werden. Dazu nutze ich Abkürzungen oder werde mit Kürzeln konfrontiert. Wenn E-Mails im Minutentakt auf meinem Computer landen, reagiere ich zügig und fasse mich kurz. Auch meine schriftlichen Kommunikationspartner gehören zur schnellen Truppe und reagieren manches Mal mit Ein-Wort-Sätzen.

„Wilco“ stand letztens als Antwort in einer E-Mail. Ich war irritiert. „Wilco“, was bedeutet dieses Wort? Meine Synapsen suchten hoffnungslos nach einer bekannten Verbindung? Hat es irgendetwas mit dem Wort „Willkommen“ zu tun? Ist es eine leicht ironische Aufforderung, die bedeutet: „Willkommen im Club, endlich hast du es verstanden…“. Ich spürte erste Anzeichen einer Adrenalinausschüttung sowie Ärger, Unverständnis und Zweifel. Vielleicht hatte ich mich mal wieder zu sehr eingemischt und dieses „Wilco“ war eine mögliche Retourkutsche.

Was ist zu tun? Ich atmete aus und schob meine ganzen Bewertungsansätze zur Seite. In einer Antwort-Mail blieb ich sachlich und fragte nach, ob ich statt einem Wort eine kurze Erklärung bekommen könnte.

Diese ließ nicht lange auf sich warten. Meine Kontaktperson war früher Pilot. Im Sprechfunk des Flugfunkdienstes ist „Wilco“ eine übliche Abkürzung für: „I understood your message and will comply with it“. Ich war mal wieder überrascht wie schnell Gedanken und Bewertungen in eine völlig andere Richtung abdriften können, durch unverständliche Antworten. Und – wie schnell die Welt wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Heidi Prochaska www.aendere-dich.de

 

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