Fluch und Segen von Abkürzungen



„Zeit ist Geld“, sagen der Volksmund und viele Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Trotz meinem Bedürfnis mich korrekt, freundlich und verständlich auszudrücken, will ich schnell fertig werden. Dazu nutze ich Abkürzungen oder werde mit Kürzeln konfrontiert. Wenn E-Mails im Minutentakt auf meinem Computer landen, reagiere ich zügig und fasse mich kurz. Auch meine schriftlichen Kommunikationspartner gehören zur schnellen Truppe und reagieren manches Mal mit Ein-Wort-Sätzen.

„Wilco“ stand letztens als Antwort in einer E-Mail. Ich war irritiert. „Wilco“, was bedeutet dieses Wort? Meine Synapsen suchten hoffnungslos nach einer bekannten Verbindung? Hat es irgendetwas mit dem Wort „Willkommen“ zu tun? Ist es eine leicht ironische Aufforderung, die bedeutet: „Willkommen im Club, endlich hast du es verstanden…“. Ich spürte erste Anzeichen einer Adrenalinausschüttung sowie Ärger, Unverständnis und Zweifel. Vielleicht hatte ich mich mal wieder zu sehr eingemischt und dieses „Wilco“ war eine mögliche Retourkutsche.

Was ist zu tun? Ich atmete aus und schob meine ganzen Bewertungsansätze zur Seite. In einer Antwort-Mail blieb ich sachlich und fragte nach, ob ich statt einem Wort eine kurze Erklärung bekommen könnte.

Diese ließ nicht lange auf sich warten. Meine Kontaktperson war früher Pilot. Im Sprechfunk des Flugfunkdienstes ist „Wilco“ eine übliche Abkürzung für: „I understood your message and will comply with it“. Ich war mal wieder überrascht wie schnell Gedanken und Bewertungen in eine völlig andere Richtung abdriften können, durch unverständliche Antworten. Und – wie schnell die Welt wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Heidi Prochaska www.aendere-dich.de

 

Aufraffen statt hinlegen


Wie schön gemütlich ist es bei mir zuhause auf dem Sofa. Es ist warm, kuschelig und so richtig gemütlich. Etwas Leckeres zu trinken habe ich im Kühlschrank bereits kalt gestellt. Ein wunderbarer Abend stünde mir bevor, wenn ich mich nicht verpflichtet hätte, zwei Mal in der Woche laufen zu gehen. Die letzten drei  Tage hatte ich keine Zeit. Heute Abend habe ich keine Lust. Aber eigentlich wäre es mein Lauftag, sagt mir ganz leise meine innere Stimme. Ich gehe zum Kühlschrank und kehre kurz vorher wieder um. Verdammt. Was hält mich ab, meine Joggingsachen anzuziehen? Ich setze mich noch einmal hin. Der Krimi im Fernsehen war auch schon mal spannender, denke ich griesgrämig. Meine gute Laune ist verflogen. Unwillig ziehe ich im Zeitlupentempo meine Sportsachen an. Die ersten Schritte auf dem Asphalt fallen mir schwer. Meine Beine fühlen sich bleiern und müde an. Ich reiße mich zusammen und laufe Richtung Park. Ich atme die frische Luft  und meine Lungen füllen sich. Nach 5 Minuten sind meine Schritte leicht und federnd. Ich denke an den morgigen Tag und sofort kommt mir eine neue Idee zu einem wichtigen neuen Projekt. Ich bin stolz darauf mich überwunden zu haben. Mein Körper und mein Kopf danken es mir. Warum spüre ich immer erst im Nachherein, wie glücklich es mich macht, mich selber zu überwinden.
 
Überwinden heißt etwas tun, trotz eigener Widerstände. Diese können sich richten gegen Anstrengung, Neues, Ungewohntes, Risikoreiches  und vieles mehr. Nehmen Sie sich Zeit und legen Sie eine Liste mit ihren Widerständen an. Wer oder was hindert Sie daran das zu tun, was sie sich vorgenommen haben.
 
Heidi Prochaska
(Beratung und Coaching - www.aendere-dich.de)


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Manchmal mache ich das gerne. Anders reagieren, als Menschen es von mir erwarten. Kennen Sie das? Ich bekomme Kommentare wie: „Also das hätte ich so nicht von dir gedacht.“ Oder: „ Wie kannst du nur so entscheiden“, gepaart mit einem vorwurfsvollen Blick. Sie sind irritiert – die Menschen, die es doch nur gut mit mir meinen. Ab und zu folgt dem verbalen Aufreger ein kurzes, kaum wahrnehmbares Lächeln, frei nach dem Motto: Ich kann dich ein bisschen verstehen, aber gut heißt kann es deswegen noch lange nicht.

Mein runder Geburtstag sorgte erst letztens für Aufregung. Als „Kind“ des geburtenstärksten Jahrgangs der Baby-Boomer- Generation habe mich aus dem Staub gemacht. Die Entscheidung habe ich weder diskutiert noch in Frage gestellt. Mein eigenes Bedürfnis bekam Priorität – ohne Wenn und Aber. Ja, so sind sie die „Revoluzzer“ der damaligen Zeit – selbst, wenn ich mich persönlich nie dafür gehalten habe.

Mit 340 kg Stahl und Chrom zwischen den Schenkeln bin ich in zwei Wochen 6000 Kilometer über die Route 66 gefahren, gemeinsam mit einem Freund. Statt Geburtstagstorte gab es Burger, statt einer großen Geburtstagsfeier mit Freunden und Familie unendliche Weiten und einen Blick bis zum Horizont.

Mit dem Ausbrechen aus dem Mainstream schenkte ich mir ein Stück Freiheit, Unabhängigkeit und Glücksgefühle. Etwas zu tun, was ich noch nie gemacht habe oder wovon ich Jahre lang geträumt habe, gab mir tiefe Zufriedenheit.

Zum Fest einer guten Bekannten bin ich letztens nicht eingeladen worden. Eine Retourkutsche? Vielleicht! Auf der anderen Seite ist es der Preis, den ich gerne zahle für Dinge, die ich anders mache als andere.

www.aendere-dich.de

Kolumne – Bilanzfrisur

Große Freude kommt bei mir als Unternehmer immer dann auf, wenn ein neuer Monat oder gar ein neues Jahr anbricht. Der neue Zeitabschnitt ist noch ganz frisch und ich bin optimistisch, was ich alles in dieser Periode werde erreichen können.

Ein paar Wochen später kommt dann die Ernüchterung, dass ein Projekt gestoppt wurde, andere Pläne nicht realisiert werden können oder ein Kunde gerade andere Prioritäten hat und abspringen muss. Ersatz für die Aufträge muss erst akquiriert werden und das gelingt selten binnen eines Monats.

Das kann einem ganz schön die Bilanz verhageln, weil die laufenden Kosten ja weiterlaufen und auch Steuern wie Abgaben bezahlt werden müssen. Auch die Akquise kostet Geld, das in den meisten Fällen nicht sofort zurückfließen wird. Da könnte man doch leicht versucht sein, seine Firmenbilanz ein wenig gerade zu rücken. Positionen aus guten Monaten in weniger optimale zu verschieben oder Kurven zu zeichnen, die stetig aufwärts zeigen, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht.

Solange man das nur für sich selbst macht, ist es nur ein hoffnungsloser Selbstbetrug. Fügt man solche geglätteten Datenreihen in sein eigenes Marketing ein und gibt die Zahlen dann an Kunden weiter, kann die Sache brenzlig werden. Da muss noch nicht einmal die Steuerfahndung Wind von bekommen.

Bleiben Sie bei den korrekten Zahlen, auch bei Rückschlägen, auch in schlechten Monaten. Gewinnen Sie aus den realen Zahlen die Kraft und die Einsicht, die folgenden Zeitabschnitte besser zu gestalten. Das wünsche ich Ihnen

Dieter E. Gellermann

www.d-e-g.de

Es war im Frühjahr vor drei Jahren. Ich besuchte Sybille, eine sehr gute alte Freundin. Wir kennen uns schon ewig. Sie lud mich in ihre neue Wohnung ein, südlich von Stuttgart. Nach ihrer Scheidung war sie viel unterwegs und endlich wieder offen für wahre Freunde. Sie begrüßte mich überschwänglich an der Tür und ich war überrascht wie gut sie aussah. Stolz zeigte sie mir ihr neues Reich und ihr neustes Outfit. Sie war gut drauf und redete ohne Unterlass. Wir erinnerten uns an frühere, coole Zeiten und hatten jede Menge Spaß. Beim Zuhören rutschten meine Blicke auf die Berge von ungespültem Geschirr in der Küche und jeder Menge Kleinkram, der überall herum stand. Sybille redet von der Klarheit, die ihr die Trennung gebracht hat – und lebte im Chaos. Ich war irritiert und wurde sofort unaufmerksam, sobald ich meine Blicke schweifen ließ. Alles war vollgestellt und auf den Arbeitsflächen in der Küche stapelten sich Kartons, leere Flaschen und allerlei Unsortiertes. Ich runzelte die Stirn und aß in Gedanken versunken ihr selbst gekochtes Nudelgericht. Als gute, langjährige Freundin spürte sie, dass ich über etwas nachdachte, aber es ergab sich keine passende Gelegenheit das Thema anzusprechen. Ich übernachtete bei ihr und schlief schlecht. Am nächsten Morgen hatte Sybille einen frühen Termin und musste schnell weg. „Du kannst dir ruhig Zeit lassen“, verkündete sie hektisch und verschwand. Ich hatte tatsächlich keine Eile, setzte mich an ihren Esstisch und begann einen Brief mit den Worten: „Liebe Sybille, der Besuch war wirklich schön, nur….“ Dann stoppte ich. Ich überlegte kurz, ging in die Küche, ließ heißes Wasser ins Spülbecken laufen und machte mich an den Abwasch. Drei Mal wechselte ich das Wasser und spülte alles was nicht niet-und nagelfest war. Auch die Abstellflächen, zwei Tische und der Herd bekamen eine Intensiv-Reinigung – und glänzten. Den ersten Brief zerriss ich, bedankte mich schlicht für die wunderbaren Stunden mit ihr und ging.

Bis heute glänzt ihre Küche und Wohnung, selbst wenn ich unangemeldet komme. Manchmal grinst sie mich frech von der Seite an, wenn ich beim Reinkommen allzu prüfend schaue.

Heidi Prochaska   www.aendere-dich.de

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