Freelancer – der Versuch einer Definition

Das englische Wort „Freelancer“ wird in gängigen Wörterbüchern mit „Freiberufler/-in, freier Mitarbeiter“ übersetzt. Dabei ergibt sich eine ungewollte Bedeutungsverengung. Das deutsche Recht kennt den „Freiberufler“ als steuerlich privilegierte Berufsgruppe – eine Bedeutung, die dem englischen Wort fremd ist. Ursprünglich ein Söldner, der seine „Lanze“ gegen Bezahlung einsetzte, aber nicht fest an eine bestimmte Armee gebunden war, steht der Begriff seit ungefähr hundert Jahren für diejenigen, die auf eigene Rechnung tätig sind. Es gibt im Grunde nur die Unterscheidung zwischen dem Gehaltsempfänger und dem Freelancer.

In der heutigen Wirtschaft ist nicht einmal mehr diese Grenze scharf zu ziehen: wer aus Haftungsgründen die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft, z. B. einer GmbH oder einer Ltd. wählt, kann durchaus trotzdem ein Freelancer im klassischen Sinn sein.

Diese Wirklichkeit wird im derzeitigen deutschen Verbandswesen nicht abgebildet. Hier herrscht immer noch eine ziemlich scharfe Trennung zwischen „Freiberuflern“ als steuerlich privilegierter Klasse, und „Gewerbetreibenden“ - sprich Gewerbesteuerzahlern. Diese Trennung empfindet der „Freelancer International e. V.“ als weder zeitgemäß noch  zielführend in der Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts.
 
Wer nicht einem „Katalogberuf“ angehört, ist oft genug vom Wohlwollen des Sachbearbeiters im zuständigen Finanzamt abhängig, ob er als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft wird. Diese unklaren Entscheidungen treten besonders häufig im IT- und Beratungsbereich auf.  Dazu liegen zahllose Urteile von Oberlandesgerichten und dem Bundesfinanzhof vor, die sich in der Sache regelmäßig widersprechen.

Verzahnung von Freelancern mit der Wirtschaft

Von entscheidender Bedeutung für unsere Wirtschaft ist jedoch die Verzahnung aller zur Verfügung stehender Ressourcen. Ohne Freelancer-typische Dienstleistungen wäre heute weder ein Unternehmen noch der Verbraucher lebensfähig. Dabei verwischen sich die Grenzen zwischen Handel, Beratung, industrieller, handwerklicher und kreativer Leistung bis zur Unkenntlichkeit.  Unterstützende Strukturen, die dieser Entwicklung Rechnung tragen, sind bisher dünn gesät. Etablierte Verbände sind jeweils den Interessen einzelner Interessensgruppen verpflichtet. Eine Öffnung ist daher eher unwahrscheinlich.

 

Siehe zu diesem Thema auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Mitarbeiter

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